Testbericht aus der Aero-Revue über das Magellan EC-10X

Herausgeber: Aero-Club der Schweiz AeCS, Lidostrasse 6, CH-6006 Luzern

Elektronische Karte auf dem Kniebrett

Das neue GPS-Gerät von Magellan stellt auf grossem, monochromem LCD-Display Karten dar, auf denen erstmals Luftraumstrukturen, Flugplätze und Navaids mit terrestrischen Merkmalen - Städte, Autobahnen, Haupt- und Nebenstrassen, Bahnlinien, Seen - kombiniert werden. Mit dem Begriff Moving Map schmecken viele Hersteller ihre GPS-Geräte. Die wenigsten Displays bieten jedoch eine Darstellung, die den Namen Karte wirklich verdient. Die Qualität der Kartendarstellung und ihr Detailreichtum hängt stark von der Bildschirmgrösse und der Auflösung ab. Auf einem Display in der Grösse einer Zündholzschachtel mit nur wenigen Pixel lässt sich einfach keine Topografie vernünftig darstellen und erst recht nicht mit der fliegerischen Infrastruktur und den Lufträumen verknüpfen. Die sogenannten „Maps“ reduzieren sich deshalb auf eine sehr vereinfachte, eher geometrische Darstellung gewisser Lufträume, Flugplätze, Navigationshilfen und auf eine Gerade als Symbol des geplanten respektive geflogenen Kurses. Der amerikanische GPS-Hersteller Magellan hat nun mit dem EC-10X eine neue Dimension der elektronischen Kartendarstellung für die satellitengestützte VFR-Navigation eröffnet. Das Gerät ist mit eingebautem, parallel arbeitendem 10-Kanal GPS-Empfänger oder auch ohne Empfangsmodul lieferbar. Im letzteren Fall kann es an ein externes GPS-Gerät angeschlossen werden wobei dann keine vertikale Navigation möglich ist. Der EC-10X ist etwa so gross wie ein Kniebrett und stellt auf einem 1 1 cm breiten und 15 cm hohen, monochromen LCD-Bildschirm mit variabler Hintergrundbeleuchtung Karten dar, deren Lufträume und aviatische Infrastruktur mit terrestrischen Merkmalen angereichert sind.

Landschaften auf Steckkarten

Einfach auszuwechselnde Steckkarten sind als Kontinentalkarten oder als Regionalkarten mit grösserem Detailreichtum erhältlich. Darauf befinden sich einerseits alle fliegerisch relevanten Informationen, also Flugplätze und deren ICAO-Kennung, Navigationshilfen, lntersections und Lufträume (TMA, CTR, ATZ und Gefahrengebiete) mit ihren Unter- und Obergrenzen sowie die topografieabhängigen MORA’s und andererseits kartografische/geografische Merkmale wie Staatsgrenzen, Seen, Städte und grössere Orte, Autobahnen, Haupt- und Nebenstrassen und Bahnlinien. Die hohe Pixelzahl des EC-10X Displays ermöglicht eine sehr präzise Darstellung auch feiner Linien. Selbstverständlich kann die Karte „gezoomt’ und damit der Kartenausschnitt in mehreren Stufen verändert werden. Damit die Darstellung auf dem Bildschirm übersichtlich bleibt, kann der Benutzer terrestrische Merkmale ausblenden. Vor allem bei der Abbildung dicht besiedelter Gebiete oder bei der Wahl eines grossen Kartenausschnitts ist es vorteilhaft, beispielsweise nur die Autobahnen anzeigen zu lassen.

Flugplanung mit dem Cursor

Im Gegensatz zu praktisch allen anderen GPS-Geräten erstellt man den Flugplan auf dem EC-10X grafisch direkt auf der Moving Map und nicht durch die Eingabe von Wegpunkten aus der Waypoint-Datenbank. Das Gerät speichert bis zu 10 Flugplänen mit jeweils 10 Wegpunkten. Um einen Flugplan zu generieren, wird der Cursor mittels Pfeiltasten über die Moving Map gefahren und auf dem gewünschten Wegpunkt plaziert. Ist dies ein Flugplatz, eine Navigationshilfe, eine lntersection oder ein benutzerdefinierter, bereits gespeicherter Punkt, öffnet sich auf der Moving Map automatisch ein Fenster mit allen diesbezüglichen Informationen. Ein Flugplatzfenster zum Beispiel bietet eine Fülle von Daten wie ICAO-Kennung, Flugplatzname, Koordinaten, Flugplatzhöhe, Name des nächstgelegenen Ortes, alte Frequenzen, Voltenhöhe (allerdings in Metern), erhältlicher Treibstoff. Ein zusätzliches Fenster präsentiert alle Pisteninformationen einschliesslich der grafischen Darstellung der Pistenrichtung. Bei benutzerdefinierten, geografischen Wegpunkten werden die Koordinaten angezeigt. Ein Flugplan kann also rasch erstellt werden: Den Cursor auf den gewünschten Wegpunkt bewegen, mit der Enter-Taste bestätigen, zum nächsten \Waypoint fahren, und so weiter. Das Gerät verbindet die ausgewählten Punkte mit einer Linie, sodass der Flugplan auf der Karte grafisch klar sichtbar ist. Die Distanzen der einzelnen Legs und die Gesamtlänge des geplanten Fluges sind nun gespeichert und dienen als Basis für die Treibstoffberechnung im internen Kalkulationsprogramm. Mit diesem Rechner können auch Sinkflugprofil und Sinkrate sowie Windberechnungen zur Ermittlung des tatsächlich herrschenden Windes während des Fluges durchgeführt werden.

Nearest und Direct To

Mit der Nearest-Taste werden die zehn zur aktuellen Position nächstliegenden, benutzerdefinierten Wegpunkte aufgelistet oder, falls der EC-10X im Moving Map-Modus betrieben wird, mit einem Kreis versehen auf der Karte dargestellt. Flugplätze und Navaids werden nicht unter Nearest aufgelistet, da sie ja sowieso in Relation zur aktuellen Position des Flugzeuges auf der Karte sichtbar sind. Mit dem Betätigen der Direct-To-Taste kann ein Ein-Strecken-Flugplan von der momentanen Position zu jedem beliebigen Punkt auf der Karte erstellt werden. Diese Funktion kann nur genutzt werden, wenn Satellitenempfang gegeben ist. Der aktive Flugplan wird dabei deaktiviert und durch den Direct-To-Plan ersetzt.

Die elektronische Karte im Flugeinsatz

Klar, ein GPS-Gerät ersetzt weder den schriftlichen Flugplan noch die knitternde ICAO-Karte im Cockpit. Beide Hilfsmittel der Navigation sind für die Durchführung eines Fluges notwendig und gesetzlich vorgeschrieben. Trotzdem kann der Einsatz modernster Satellitentechnik zur navigatorischen Unterstützung und Kontrolle entlastend wirken, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man das Gerät beherrscht und sein Einsatz nicht zur Vernachlässigung anderer Aufgaben fährt. Wenn auf einem Flug plötzlich Panik ausbricht und am GPS-Empfänger wie wild Knöpfe gedrückt werden, stimmt einiges nicht - die Flugplanung, das navigatorische Können des Piloten, die Kenntnis des Gerätes oder alles zusammen. Obwohl die Software-Architektur des EC-10X einfach und benutzerfreundlich ausgelegt und die Menuführung beinahe selbsterklärend ist, muss ich mich doch etwas mit dem Gerät und seiner übrigens auch in Deutsch vorhandenen Gebrauchsanweisung befassen, bevor ich damit zu navigieren beginne. Für den Einsatz im Cockpit kann ich das Magellan-GPS mit der gelieferten Befestigung entweder wie ein Kniebrett ans Bein binden oder am Steuerhorn befestigen. Ich entscheide mich für das Knie. Da der EC-10X keine interne Stromquelle hat, muss er am Bordnetz angeschlossen werden. Dazu verwende ich das gelieferte Kabel, das ich in die Buchse des Zigarettenanzünders stecke. Nach dem Einschalten des Gerätes erscheint das Hauptmenu. Die grosse Schrift ist sehr gut lesbar weich ein angenehmer Unterschied zu vielen anderen GPS-Displays. Da ich den Flugplan bereits erstellt und die Einstellungen im Setup Menu nach meinen Bedürfnissen definiert habe, schalte ich direkt zur Moving Map. In etwa fünf Sekunden baut der EC-10X die Karte auf, deren Massstab ich mit den In- und Out-Tasten verändern kann. Nach kurzer Zeit erscheint auf der elektronischen Karte ein blinkendes Flugzeugsymbol, das mir meine aktuelle Position anzeigt. Während ich zur Startposition rolle, aktiviere ich den Flugplan, der sofort auf der Karte erscheint. In die Moving Map wird nun ein Navigationsfester mit den wichtigsten Navigationsinformationen wie Bearing, Track und Distanz zum nächsten Wegpunkt, die Geschwindigkeit über Grund und eine CDI-Anzeige eingeblendet. Eine gepunktete Linie, die das Flugzeugsymbol hinter sich her zieht, symbolisiert den effektiven Kurs über Grund, den ich zurücklege. So kann ich eine allfällige Abweichung gegenüber der ausgezogenen Linie des Soll-Kurses nicht nur auf der CDI-Skala, sondern direkt auf der Karte sehen. Einen interessanten Hinweis bietet mir die Funktion „projizierter Kurs“, mit der der EC-10X auf der Basis von aktueller Geschwindigkeit, Kurs über Grund und Steuerkurs errechnet, wohin mich der Flug in nächster Zeit, das heisst je nach gewählter Voreinstellung in den nächsten Minuten oder sogar Stunden, führen wird. Dieser projizierte Kurs wird mir auf der Karte mit einer gestrichelten Kurslinie deutlich vor Augen geführt. Dies kann als Warnung vor einem möglichen Konflikt, beispielsweise mit einem Flugbeschränkungsgebiet, nützlich sein. Ich kann mich auf meinem Flug mit Hilfe der terrestrischen Merkmale gut orientieren. Markanteste Orientierungshilfen sind Autobahnen, Seen und Bahnlinien. Etwas schwieriger zu identifizieren sind Nebenstrassen. Beim Vergleichen der elektronischen mit ICAO-Karte stelle ich fest, dass ich meine Position am einfachsten auf die Papierkarte projizieren kann, wenn die Massstäbe der beiden Karten in etwa übereinstimmen. Wenn ich auf meinem elektronischen Kniebrett einen kleineren Kartenmasstab eingestellt habe , fällt mir dies schwerer. Im Verlaufe meines Fluges bewegt sich das blinkende Flugzeugsymbol, das meine aktuelle Position darstellt, über die Karte. Die Karte verschiebt sich, indem sie neu aufgebaut wird, wenn sich das Flugzeugsymbol dem Kartenrand nähert. Dringt das Flugzeugsymbol auf der Karte in einen sogenannten Ankunftskreis mit einem Radius von 0.25 NM um einen Waypoint ein, schaltet das Gerät automatisch zum nächsten Streckenabschnitt und die Anzeigen im Navigationsfester ändern entsprechend. Bei Annäherung an meinen Zielflugplatz wechselt die Map in den kleinstmöglichen Massstab. Die für den Anflug entscheidenden Informationen wie Einflugpunkt, zu meidende Räume, Volte usw. entnehme ich der VAL-Karte. Die Ein- und Ausflugpunkte könnte ich selber definieren und in der Datenbank speichern, um sie mit der Nearest-Taste auf die Moving Map zu holen. Problemlos finde ich mich mit Hilfe des blinkenden Flugzeugsymbols auf meinem elektronischen Kniebrett in der Flugplatzumgebung zurecht und fliege den gewünschten Approach. Selbstverständlich wäre es einfach, den aktuellen Flugplan umkehren, um mir für den Rücktlug zusätzliche Arbeit zu ersparen. Ebenso wie ich ihn durch Hinzufügen, \Weglassen oder Verschieben von Wegpunkten verändern kann, falls ich etwas fliegerische Abwechslung haben möchte. Fazit: Mit dem EC-10X hat Magellan ein GPS-Gerät entwickelt, das vor allem durch die grosse Karte mit hoher Auflösung und durch die benutzerfreundlicher einfache Bedienung überzeugt.

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