Sennheiser HMEC 25A

Testbericht von Walter Schild

 

Was lange währt wird endlich gut. Vor rund zwei Jahren wurde dieses Headset erstmals auf Fachmessen vorgestellt. Nach einem guten Jahr Verzögerung ist es nun lieferbar: das von lärmgeplagten Piloten sehnsüchtig erwartete Sennheiser HMEC 25-A.

Anders als die meisten Headsets mit hoher Lärmunterdrückung kommt es ganz ohne klobige Plastikhörschalen aus. Trotz aller Polsterung werden die sonst üblichen dicken Gehörschutzkapseln bei längerer Tragedauer einfach lästig. Wer lange im Cockpit sitzt, der lernt den angenehm sanften Sitz der Sennheiser-Hörer auf den Ohren zu schätzen.

Das Geheimnis der Lärmdämmung ohne klobige Hörmuschel ist in der kleinen, Feuerzeug-grossen Plastikbox zu suchen, die an einem kurzen Kabelstück neben den Klinkensteckern baumelt. Sie enthält die Elektronik zur aktiven Lärmkompensation sowie zwei überall erhältliche Mignonzellen zur Stromversorgung. Mit ihrer rückseitigen Federklemme lässt sie sich - notfalls am Zuleitungskabel angeklemmt - im Cockpit unauffällig verstauen. Sennheiser gehört zu den deutschen Traditionsfirmen in Sachen Mikrofone und Kopfhörer. Einen Bestseller landete sie 1968 mit dem HD 414, dem weltweit ersten sogenannten «offenen» Kopfhörer. Statt wie bislang die Schallwandler in einer ohrumschliessenden Kopfhörermuschel unterzubringen, plazierte man sie direkt vor den Gehörgängen, lediglich mit einem grossen offenporigen Schaumstoffpolster dazwischen. Somit war ein bis dahin nie dagewesener Tragekomfort geboren, was dem HD 414 den Spitzenplatz als weltweit am meisten verkauftes Headset einbrachte. Damit begann der Siegeszug des kleinen Wedemarker Unternehmens.

Hörschäden durch Cockpitlärm

Eine der häufigsten Berufskrankheiten sind Hörschäden. Insbesondere Piloten von sehr lauten Maschinen sollten diese Gefahr nicht unterschätzen, wollen sie ihre Rente ohne Hörhilfe geniessen. Welcher Wert ohne gesundheitliches Risiko erlaubt ist, darüber gibt beispielsweise die «Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm», kurz TA-Lärm oder die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften Auskunft. Generell gilt, daß «bei überwiegend geistigen Tätigkeiten» innerhalb von acht Arbeitsstunden der Schalldruckpegel höchstens 55 Dezibel (abgekürzt dB), gemessen mit dem sogenannten -A-Filter«, kurz dBA, betragen darf. Bei einfachen oder mechanisierten Tätigkeiten liegt der Wert bei 70 dBA und bei allen sonstigen Tätigkeiten bei 85 dBA. Es gibt wohl kein Cockpit eines Flugzeugs der Allgemeinen Luftfahrt (ausgenommen Segelflieger), bei denen dieser Wert nicht erreicht würde. Hörschäden sind zu erwarten, wenn 88 dBA länger als vier Stunden auf die Ohren wirken, 91 dBA länger als zwei Stunden, 94 dBA länger als eine Stunde und 97 dBA länger als 30 Minuten, 100 dBA länger als 15 Minuten und 105 dBA länger als 4,8 Minuten. Wer sich beruflich im Cockpit aufhält, der muss daher ein Headset benutzen, wer kein Berufspilot ist, der kann darauf verzichten - Hörschäden sind dann allerdings garantiert.

Die ersten Schritte im Luftfahrtbusiness wurden mit derAusstattung der ersten Klasse in Lufthansa-Maschinen mit hochwertigen HiFi-Hörern gemacht. Aus den Cockpits der Lufthanseaten kam dann auch er Wunsch nach einer leichen Sprechgarnitur, die man er Stunden bequem tragen kann. Die Folge war das HDC 451, mit «offenen» Hörern.Das neueste Produkt ist nun das HMEC 25, dessen Einsatzgebiet nicht das Flüstercockpit einer Boeing ist, sondern der intensive Arbeitsplatz in einer Turboprop oder im Cockpit einer kolbengetriebeen Maschine. Weil die «offene» Bauweise keinerlei Schalldämmung erlaubt, wählten die Sennheiser-Ingenieure die sogenannte «supra-aurale» Bauform, was nichts anderes heisst, als dass der Hörer direkt auf der Ohrmuschel aufliegt. Ein dickes Ohrpolster isoliert damit den Gehörgang vom lauten Motorengeräusch um rund 16 Dezibel. Zum Vergleich: Kopfhörer mit solider Hörerschale, welche die Ohrmuschel umfasst (sogenannte «circum-aurale» Bauhaben Dämmungswerte zwischen 20 und 25 Dezibel. Mit der ohraufliegenden Bau war ein glücklicher Kormpromiss erreicht: Einerseits hat der Tragekomfort gegenüber den offenen Hörern nur geringfügig gelitten, anderereits erzielte man schon eine beachtliche Schalldämmung.Allerdings noch nicht genug, um ermüdungsfrei über Stunden dem Cockpitlärm zu widerstehen. Die Elektronik mit aktiver Lärmkompensation schafft nochmals rund 15 Dezibel speziell im tieffrequenten Bereich des Motorenlärms kolbengetriebener Triebwerke.Optimal ist das geringe GewichtDas HMEC 25-KA testeten wir sowohl in einer nicht gerade leisen Pitts S2B und in einer Piper PA-28 mit Gomolzig- Auspuff. In den Cockpits haben wir bei Reiseleistung rund 115 Dezibel (Pitts bei 50 Prozent Leistung) und rund 95 Dezibel (Piper bei 75 Prozent Leistung) gemessen. Beim Kunstflug-Doppeldecker bewies das Headset zwar seine Tauglichkeit, auch in einer derart lärmenden Maschine die Kommunikation sicherzustellen, doch in diesem Fall sind Headsets mit Gehörschutzkapsel (und aktiver Lärmunterdrückung) die bessere Wahl, zumal der Aufenthalt in diesem Flugzeug allein schon wegen des bescheidenen 90-Liter- Tanks begrenzt ist.Ganz anders dagegen beim «zivilen» Reiseflugzeug, der PA-28. Auch bei «nur» 95 Dezibel Schalldruckpegel sollte man hier den Ohren zuliebe stets mit Headset fliegen. Mit dem Sennheiser HMEC 25- KA war ein Flug selbst über gut zweieinhalb Stunden stressfrei möglich. Schon nach rund einer halben Stunde hat man völlig vergessen, daß ein Headset auf den Ohren sitzt. Mit dem zweigeteilten Bügel läßt sich das sowieso schon geringe Gewicht von nur 170 Gramm optimal auf der Schädeldecke verteilen. Die höhen- verstellbaren Hörermuscheln passen sich ideal an die Ohrmuscheln an. Klangmässig sind die Hörer eher höhenarm abgestimmt, was zwar einerseits die Verständlichkeit etwas beeinträchtigt, andererseits jedoch Störungen wie Rauschen oder Kracher beim Frequenzwechsel etwas unterdrückt.Geschickt gelöst wurde das Problem der bei Flugzeugen unterschiedlichen Anordnung der Anschlussbuchsen und damit der Kabelzuführung: Der Mikrofonbügel lässt sich wahlweise auf die eine oder andere Seite der Hörmuscheln schwenken womit das Anschlußkabel entweder links- oder rechtsseitig zugeführt wird. Für einen optimalen Sprechabstand kann der Mikrofonbügel mit etwas Kraftaufwand justiert werden.Als wichtigen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten sehe ich jedoch beim Sennheiser HMEC 25-KA sein geringes Volumen und seine platzsparende Unterbringung in der Tasche an, die im Lieferumfang enthalten ist. Kaum grösser als ein Taschenbuch passt das komplette Headset samt Elektronik selbst in den kleinsten Fliegerkoffer.Wem die sperrigen Headsets konventioneller Bauart zu lästig sind, und wer dennoch auf gute Schalldämmung Wert legt, für den ist das HMEC 25-KA eine gute Wahl.

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